durins zwergenblog teil 6 - wenn die welt plötzlich geschrumpft ist
- grinsehunde, susanne junga-wegscheider, margot wallner
- 13. Feb.
- 3 Min. Lesezeit
damit die op langfristig zu einem erfolg wird und sich all das kleinterrier-ungemach
auszahlt, muss durin boxenruhe halten.
bedeutet, seine welt ist geschrumpft auf ein gitterbett mit 110cm x 70 cm, eine
orthopädische matratze, eine ecke mit kuscheldecke, ringsum-polster (ja, die
erinnern etwas an eine gummizelle …) und einen kleine stofftierhaufen.
es ist natürlich hier nicht die räumliche einschränkung, die tatsächlich den ausschlag
gibt, dass das schwierig zu verdauen ist für durin.
was wirklich schwer wiegt, ist die enorme begrenzung an verhaltensmöglichkeiten
und der fast vollständige kontrollverlust.
Es ist immer wieder faszinierend, wie sehr unsere eigene spezies ihrem
kontrollbedürfnis nachzukommen versucht, tendenziell besonders hunden
gegenüber.
kommt jedoch das kontrollbedürfnis eines hundes auf’s tableau, ist es plötzlich gar
nicht mehr selbstverständlich, dass es sich hier genau so um ein wichtiges, primäres
bedürfnis handelt – genau wie bei uns.
das erste, oberste ziel von allem verhalten ist es, einfluss auf die umwelt zu nehmen
– geht das nicht, machen sich frust und hilflosigkeit breit. Eine wirklich scheußliche
emotionale lage.
und in genau dieser lage steckt momentan der kleinterrier.
durin lebt normalerweise in einer welt, in der sehr auf die befriedigung seiner
bedürfnisse geachtet wird, so zeitnah, umfassend und seiner emotion entsprechend
wie nur irgendwie möglich.
ich hör es jetzt, das leise händereiben der „damit erzieht man sich tyrannen heran“-
fraktion, und wäre man dämlich genug, die befriedigung von bedürfnissen auf einer
rein operanten ebene zu betrachten, könnte man jetzt fast denken „ui, die werden
doch nicht etwa recht haben?“
nein, haben sie nicht. die befriedigung von bedürfnissen hat nichts damit zu tun, der
sklave seines hundes zu sein, der mit dem tyrannenkrönchen auf dem haupt auf dem
sofa sitzt und seinen menschen durch die gegend scheucht, weil er gelernt hat, wie
er schnipsen muss, damit selbiger springt.
bedürfnisbefriedigung hat einzig und allein damit zu tun, das wohlergehen unserer
hunde sicher zu stellen, in einer welt, die ihnen fast alles an eigenständigkeit und
hundsein verwehren würde, achteten wir nicht darauf.
es hat damit zu tun, hunde wahr zu nehmen, ihre kommunikation zu beachten, und
unserer aufgabe ihnen als schutzbefohlene gegenüber wahrzunehmen. Punkt.
je mehr satiation, desto weniger schwieriges verhalten – und das gilt auch in solchen
ausnahmesituationen.
durin verdaut die durchaus herausfordernde situation und all den zusätzlichen frust
wirklich großartig. sein polster an „das leben ist schön“ ist dick genug, dass er es jetzt

aushält, dass er nicht kann, wie er möchte, dass er in allem auf uns angewiesen ist,
dass er nicht einmal zum pinkeln alleine stehen darf (und kann) und die beine sowieso nicht wollen, wie er. und das alles ohne das verständnis dafür zu haben, dass dieser zustand temporär ist. das kann ich ihm nicht erklären, auch wenn das wirklich schön und hilfreich wäre.
also achte ich nach strich und faden darauf, dass jeder kleine gickser von seiner seite beachtung findet, damit er das gefühl von selbstwirksamkeit nicht völlig verliert.
nachdem ich gewisse bedürfnisse – bewegung, spiel, selbstbestimmte draußen-zeit – momentan nicht erfüllen kann, heißt es, in allem, was möglich ist, für größtmögliche satiation zu sorgen. nähe. abwechslungsreiche naschdinge.
umwelterkundung aus zweiter hand, indem ich ihn am tragegeschirr halte und ihn dorthin wende, wo er interesse bekundet.
durin ist niemals zum kleinen tyrannen geworden, weil ich meiner fürsorgepflicht
nachkomme – im gegenteil, er ist ein unfassbar tapferer kleiner hund, der mehr frust
handeln kann als viele erwachsene menschen, die ich kenne.
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